Omar Fahmy im Exklusiv-Interview

Omar Fahmy im Exklusiv-Interview

21.01.2018

Newroz-Trainer stellt sich den Fragen der Newroz-Redaktion

Hallo Omar, vielen Dank, dass du dir Zeit für das Interview nimmst. Wie läuft es momentan bei dir ?

Omar: Ich habe mein Lehramtsstudium erfolgreich absolviert und arbeite seit Oktober am Sportinstitut der Universität Hildesheim als wissenschaftlicher Mitarbeiter. Darüber bin ich sehr glücklich, da ich sowohl FuNah weiterhin planen und koordinieren kann als auch den Kontakt mit den Studierenden in der Lehrer/innenausbildung in den Seminaren habe, der mir sehr wichtig ist. 


Du bist jetzt seit knapp einem halben Jahr Trainer des SV Newroz. Was war dein persönliches Highlight in diesem halben Jahr?

Omar: Prinzipiell bewerte ich eine Saison erst nach Abschluss, dennoch kann man sicher die Erfolge in der Hinserie mit dem Kehrwiedercup, EVI-Cup und der Stadtmeisterschaft als Highlights bezeichnen. Das gehört jetzt aber der Vergangenheit an. Für mich wären diese Erfolge nichts wert, wenn nicht eine Entwicklung auf und neben dem Platz erkennbar wäre. Die aktuell erschienene Fairness-Tabelle nehmen wir dabei sehr ernst. Wir spielen jedoch keinen unfairen Fussball, das belegen u.a. diverse Aussagen von Trainerkollegen, sodass wir dort auf einem guten Weg sind und in der Rückrunde an den Dingen arbeiten, die wir besser machen müssen und besser machen werden.


Nach dem EVI-Cup waren einige Pfiffe nicht zu überhören, wie gehst du mit der Antiphatie um und findest du sie berechtigt?

Omar: Es gibt dabei nicht die eine Seite - beide Seiten sollten betrachtet werden. Es gibt Situationen überwiegend aus der Vergangenheit, die womöglich einen Einfluss darauf haben, wenngleich diese oftmals nicht die Realität widerspiegeln. Dies ist jedoch die Vergangenheit. Genauso gehört es dazu positive Entwicklungen zu registrieren, wobei das natürlich einer reflektierten Einstellung bedarf. Wir werden weiterhin an uns arbeiten.

Zu den Pfiffen: Sicherlich haben wir diese Pfiffe sowie unschöne verbale und zuteil rassistischen Äußerungen entnommen. Mit der Unterstützung seitens der Zuschauer gegenüber unserem Gegner haben wir kein Problem, wenngleich es schwierig ist den jungen Spielern, denen mal in vielen Gesprächen etwas von Integration in die Gesellschaft, Wertschätzung und Anerkennung erzählt. Fussball ist dabei oftmals ein Abbild gesellschaftlicher Prozesse und wir tun alle gut daran Verantwortung zu übernehmen, indem wir Vorgänge verurteilen sollten, die nichts im Sport und generell im Zusammenleben multikultureller Gesellschaften zu suchen haben. Nicht die Worte sind dabei entscheidend, sondern die Taten, die vieles authentischer machen würden. Bei der gesellschaftlich-politischen Diskussion rund um Barrieren der Integration werden gerade mangelnde Akzeptanz aus einer persönlich erlebten Perspektive oftmals angeführt. 
Mich freut es einfach, dass meine Jungs alle arbeiten, studieren oder in Ausbildung sind, denn sie leisten damit einen wichtigen Beitrag. Das ist mir neben der sportlichen Situation besonders wichtig.


Serhat Kaplan sagte in einem Gespräch, dass eine Kritik erst eine Kritik ist, wenn sie konstruktiv ist. Wenn jemand, wie leider gewöhnlich, in den Kommentaren bei Facebook nur einen Satz schreibt (i.d.R. eine plumpe Beleidigung), ist es nicht wirklich eine Kritik. Wenn jemand aber genauestens erläutert wo der Verein Herausforderungen zu meistern hat, kann man sehr viel mehr damit anfangen. Dazu kam es jedoch nicht. Ist dies deiner Meinung nach ein Beleg dafür, dass es derzeit keinen Grund zur negativen Stimmung gegen Newroz gibt?

Omar: Wie bereits erwähnt sind wir auf einem ordentlichen Weg und nehmen jede konstruktive Kritik sehr ernst, um uns weiterzuentwickeln - gleichsam differenzieren wir aber selbstverständlich zwischen konstruktiver Kritik und Personen, die gewisse Differenzen mit sich selbst herumtragen. 


Wenn man sich die Zahlen bei Facebook oder Instagram anschaut, oder auch die Mehrheit der Kommentare, ist zu erkennen dass der Zuspruch mittlerweile größer ist. Merkst du auch das die Meinung zu Newroz (bei Außenstehenden) eine andere ist, als im Vergleich zum Juni, als du neu angefangen hast?

Omar: Wir registrieren, dass wir viele Fans dazu gewonnen haben. Das bedeutet jedoch nicht, dass wir uns darauf ausruhen, sondern vielmehr beharrlich unseren Weg weitergehen, um uns weiterzuentwickeln.

Felix Bielicke und Yousseff Kone haben den Verein verlassen, wird es weitere Abgänge geben?

Omar: Nein, die wird es nicht geben. Wir sind mit unserem Kader aktuell sehr zufrieden. Youssef hat eine kleine Tochter bekommen und ist mit seiner Frau nach Belgien gezogen. Er fehlt, weil er ein toller Mensch ist. Wir freuen uns, wenn er uns besuchen kommt. Dildar hat uns leider auch verlassen. Ein guter und fleißiger Junge, immer beim Training, der sich jedoch bei einem neuen Verein mehr Spielzeit erhofft. Felix wünschen wir in Bavenstedt alles Gute. 

Wird jemand Roberto Cid-Valdes, Wolters und Mulamba folgen, sprich gibt es zur Rückrunde noch einen Neuzugang?

Omar: Serhat und ich sind nahezu täglich zusammen, investieren sehr viel Zeit, tauschen uns über Spieler aus und überlegen welcher Spieler uns menschlich wie auch sportlich weiterbringt. In der Winterpause sind einige Spieler auf uns zugekommen, jedoch sind wir mit unserem Kader soweit zufrieden. Ob noch jemand folgen wird, werden wir in den nächsten Tagen sehen. 

Dein Buddy Florian Rutter wechselte vor wenigen Tagen vom VfV Borussia 06 Hildesheim zu BW Neuhof. Nahm der SVN am Tauziehen um Rutter teil und wenn ja wieso hat es nicht geklappt?

Omar: Florian und ich sind sehr gut befreundet und ich schätze ihn sehr. Wir hatten zusammen beim VfV eine tolle Zeit, sehr viele Erfolge gemeinsam und neben dem Platz Projekte, Camps etc. geplant und durchgeführt. Es gab dabei kein Tauziehen, weil ich weiß welche Gedanken er hat und er weiß welche Gedanken ich habe. Daher begrüße ich seine Entscheidung und wünsche ihm nur das Beste. Wir sind ständig im Austausch und davon profitieren wir beide.

Was ist deine Vision für die Zukunft? Wohin möchtest du den Verein führen?

Omar: Serhat und ich haben für das Jahr unsere Vorstellungen formuliert und richten uns danach aus. Er opfert unheimlich viel Zeit für den Verein auf, obwohl er selbständig ist und sicher andere Dinge während dieser Zeit machen könnte. Er ist mit Herz dabei und daher bin ich glücklich darüber, dass er an meiner Seite ist, wie auch weitere Personen. Nebenbei unterstützt er sehr stark den regionalen Fußball, was viele nicht wissen oder nicht wissen möchten - ein fussballbegeisterter Sportsmann, der jedem Verein den sportlichen Erfolg gegönnt.

Vision heißt in der aktuellen Situation für mich eine Struktur im Verein aufzubauen, die sich selbst tragen kann und nicht an einzelne Personen geknüpft ist. Dabei sind wir weiter als geplant und guter Dinge. Mit Blick auf die Mannschaft bedeutet es sowohl eine persönliche als auch eine sportliche Weiterentwicklung herbeizuführen.

Die Arbeit die du derzeit leistest, geht natürlich nicht spurlos an anderen Vereinen vorbei. Gab es bereits Angebote oder Nachfragen?

Omar: Wichtig ist für mich die aktuelle Situation und das ist die Rückrunde und der Aufbau der JSG. Ich arbeite gerne mit den Jungs zusammen, weil sie lernen wollen und ich von ihnen vieles lernen kann. Es ist meine erste Station als Herrentrainer und es ist eine schöne, wenngleich intensive Aufgabe für uns alle. Ich bin kein Freund von Stillstand und Zufriedenheit - das muss die Mannschaft sehr oft von mir hören. In diesem Jahr stehen für mich die Lehrgänge beim NFV an - diese Zeit möchte ich erstmal nutzen, um mich weiterzuentwickeln. 

Omar, du selbst bist ein Vollblut-Stürmer gewesen, kannst dir vorstellen in dieser Saison nochmal als Spieler zurückzukehren?

Omar: Ausschließen möchte ich nichts, aber ich denke , dass ich der Mannschaft am besten von außen helfen und coachen kann und da das Vertrauen groß ist in all meine Spieler,  soll das auch so bleiben. (Das obligatorische Augenzwinkern gab es auch noch zum Schluss des Satzes) 

Wir bedanken uns bei Omar Fahmy für das Interview und wünschen ihm weiterhin viel Spaß und Erfolg beim SV Newroz